SAP hat auf der Sapphire 2026 die Autonomous Enterprise vorgestellt: KI-Agenten, die Aufgaben im SAP-System selbst ausführen. Der Beitrag erklärt einfach, wie das aufgebaut ist, was der Umstieg voraussetzt und was er kostet, und wo der ORAI Agent die praktischere Alternative für ältere Systeme ist.
Rechnungen prüfen, Bestellungen freigeben, den Monatsabschluss erstellen: In vielen Unternehmen erledigen Menschen diese Schritte heute von Hand im SAP-System. Die Frage von SAP für 2026 lautet: Was davon kann Software allein übernehmen?
Auf der Hausmesse Sapphire 2026 hat SAP dafür einen Namen vorgestellt, die Autonomous Enterprise, also das sich selbst steuernde Unternehmen. Gemeint sind KI-Agenten, also Software, die Aufgaben nicht nur vorschlägt, sondern selbst ausführt. Der Mensch prüft nur noch die Fälle, die eine Entscheidung brauchen. Neu ist nicht die Idee, sondern der technische Unterbau, den SAP dafür gebaut hat. Dazu kommt ein Preismodell, das bis Ende 2026 sehr günstig ist, für die Zeit danach aber noch offen.
SAP ordnet das Ganze in drei Ebenen, die aufeinander aufbauen.
Die Datengrundlage (SAP Business AI Platform). SAP fasst drei bisher getrennte Bausteine zu einer Plattform zusammen: die Entwicklungsumgebung Business Technology Platform, den Datenspeicher Business Data Cloud und die bisherigen KI-Funktionen. Diese Plattform liefert den Agenten die Daten und Regeln, mit denen sie arbeiten.
Die Ausführung (SAP Autonomous Suite). Darauf laufen über 200 spezialisierte Agenten, die zu Assistenten für einzelne Fachbereiche gebündelt sind, etwa Finanzen, Einkauf, Lieferkette, Personal und Vertrieb. Ein Beispiel ist ein Assistent für den Monatsabschluss, der diesen laut SAP von mehreren Wochen auf wenige Tage verkürzt.
Die Bedienung (Joule Work). Joule ist der KI-Assistent von SAP. Er wird vom Chatfenster zur eigentlichen Arbeitsoberfläche. Sie schreiben in normaler Sprache, was Sie erreichen wollen, und das System stellt die passenden Workflows und Agenten selbst zusammen, auch über verschiedene Systeme hinweg.
SAPs stärkstes Argument sind die eigenen Daten. Der SAP Knowledge Graph ist eine Art Landkarte, die zeigt, wie Geschäftsobjekte, Abläufe und Zuständigkeiten im System zusammenhängen. Damit finden sich die Agenten in tausenden Prozessen und über sieben Millionen Datenfeldern zurecht und prüfen dabei, wer was sehen darf. Dazu kommen KI-Modelle, die SAP mit dem eigenen Programmcode trainiert hat, sowie die Business Data Cloud, die Daten aus SAP und aus anderen Systemen an einer Stelle zusammenführt. Der Kern: Kein anderer Anbieter kennt die Abläufe und Daten im SAP-System so genau wie SAP selbst.
Eigene Agenten bauen Unternehmen im Joule Studio. Dort beschreiben sie ihr Ziel, und das Werkzeug erstellt daraus Vorgaben, technische Beschreibungen und einen ersten Entwurf des Codes. Ein Vertreter von Sony berichtete auf der Bühne, dass eine Lösung, die sonst drei bis vier Tage dauert, so in 10 bis 15 Minuten entstand.
Bei der zugrunde liegenden KI setzt SAP auf mehrere Anbieter: Claude von Anthropic als Hauptmodell für das Schlussfolgern, dazu ein eigenes SAP-Modell für Tabellendaten sowie Mistral und Cohere als europäische Alternativen. Auch offene Verbindungsstandards wie MCP und A2A gehören dazu. Über sie können verschiedene KI-Agenten miteinander kommunizieren.
Damit die Automatisierung funktioniert, müssen die Daten sauber und in der Cloud liegen. SAP setzt dafür einen sogenannten Clean Core voraus, also ein SAP-System ohne wild gewachsene Sonderprogrammierung, betrieben als S/4HANA Cloud, dazu die Business Data Cloud. Über das Programm RISE with SAP starten Kunden mit drei Assistenten im ersten Jahr, über SAP GROW mit mehr als 20 Assistenten von Beginn an. Ältere Systeme wie S/4HANA im eigenen Rechenzentrum oder das Vorgängersystem ECC bekommen nur ausgewählte Funktionen, und das auch nur, wenn der Kunde den Wechsel in die Cloud zusagt. Neu ist ein Werkzeug, das diesen Umzug laut SAP um mehr als 35 Prozent beschleunigt.
Ebenso wichtig, und das betont auch SAP-Chef Christian Klein: Der Umstieg ist kein reines Technikprojekt. Abläufe müssen neu gedacht und die Mitarbeitenden geschult werden.
Beim Preis lohnt ein nüchterner Blick, denn feste Zahlen gibt es noch nicht. Bis zum 31. Dezember 2026 sind das Joule Studio, der Betrieb der Agenten in der Entwicklung und die Verbindungsfunktion A2A kostenlos, ebenso die zentrale Verwaltung der Agenten. Das ist ein sehr günstiges Einstiegsangebot. Der Haken: Was die produktive Nutzung ab 2027 kostet, hat SAP nicht genannt. In den meisten Budgets für 2026 fehlt dieser Posten deshalb.
Dazu kommt die Frage der Abhängigkeit. Je stärker ein Unternehmen auf die SAP-Plattform und ein einzelnes KI-Modell setzt, desto schwerer wird ein späterer Wechsel. Das Analystenhaus Forrester sieht darin gerade in stark regulierten Branchen ein Risiko, das innerhalb von zwei Jahren zur Frage für die Geschäftsführung werden kann. Fair ist aber auch: Die Ankündigung ist nicht nur Theorie. Die Großbank JPMorganChase bestätigte auf der Bühne, dass sie ihre zentrale Buchhaltung auf das neue SAP-System umzieht.
Die Vision ist stark, aber nicht jedes Unternehmen kann oder will diesen ganzen Weg gehen. Für diese Fälle haben wir den ORAI Agent entwickelt, als praktische und unabhängige Alternative. Vier Punkte sind uns dabei wichtig, und sie halten einer sachlichen Prüfung stand.
Schneller einzurichten, auch bei älteren Systemen. Der ORAI Agent greift über die Standard-Schnittstellen OData und RFC auf SAP zu. Das sind normale Zugangswege, die SAP ohnehin mitliefert. Er funktioniert auch mit dem älteren ECC-System und mit gewachsenen Systemen, die noch nicht aufgeräumt sind, und er braucht weder die BTP-Plattform noch zusätzliche Programmierung im SAP. Wer heute noch nicht in der Cloud ist, kann trotzdem in wenigen Wochen starten, statt zuerst ein langes Umstellungsprojekt abzuschließen.
Das KI-Modell selbst betreiben. Beim ORAI Agent wählen und betreiben Sie das KI-Modell selbst, in Ihrer eigenen Umgebung und mit dem Anbieter oder einem offenen Modell Ihrer Wahl. Sie sind nicht auf die von SAP vorausgewählten Modelle festgelegt und zahlen keinen Aufpreis für den Betrieb über die SAP-Plattform.
Heute schon planbar. Für die Zeit nach 2026 hat SAP noch keine Preise genannt. Beim ORAI Agent kennen Sie Ihre Kosten dagegen bereits jetzt und können sicher kalkulieren.
Andere Systeme ohne Zusatzaufwand anbinden. SAP kann Daten aus anderen Systemen über die Business Data Cloud einbinden, dafür müssen die Daten aber erst aufbereitet und modelliert werden. Der ORAI Agent spricht Systeme wie Microsoft 365, Salesforce oder Jira direkt an, ohne diesen Zwischenschritt. Der Weg von der Frage zur Antwort über mehrere Systeme ist damit einfacher und günstiger.
| Kriterium | ORAI Agent | SAP Autonomous Enterprise |
|---|---|---|
| Einrichtung und Voraussetzungen | Über die Standard-Schnittstellen OData und RFC, funktioniert auch mit ECC und noch nicht aufgeräumten Systemen, ohne BTP | Setzt ein aufgeräumtes System (Clean Core), S/4HANA Cloud und Business Data Cloud voraus |
| KI-Modell | Selbst betrieben, freie Wahl des Anbieters oder offener Modelle, kein Aufpreis über die SAP-Plattform | Auswahl aus den von SAP bereitgestellten und betriebenen Modellen |
| Laufende KI-Kosten (Tokens) | Modellkosten direkt beim Anbieter oder lokal, ohne SAP-Aufschlag | Verbrauch wird über SAP abgerechnet, mit Aufschlag auf die Token-Kosten |
| Kostenplanung | Kosten schon heute bekannt | Preise für die Zeit nach 2026 noch nicht genannt |
| Andere Systeme anbinden | Direkt, ohne Datenaufbereitung | Über die Business Data Cloud, mit vorheriger Datenaufbereitung |
Die Autonomous Enterprise ist ein ambitionierter Plan und reicht tief in die SAP-Kernprozesse hinein. Der ORAI Agent ist der Weg für alle, die heute KI-Ergebnisse wollen, ohne dafür in die Public Cloud wechseln zu müssen, ggf. noch auf einem älteren Release sind und die volle Kontrolle über ihr KI-Modell und ihre Kosten behalten wollen. Beide Wege können side-by-side bestehen.
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